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Zur Lage der alternativen Presse in Kolumbien

Die «VOZ» ­ Stimme und Wahrheit des Volkes

 Die Geschichte der VOZ ist auf das Engste mit dem Leben der Kommunistischen Partei Kolumbiens (PCC) und den Kämpfen des kolumbianischen Volkes verbunden: mit den Kämpfen der Arbeiterklasse, der Bauern und Landarbeiter, der Intelligenz, der Frauen und der Jugend. Auf den Zeitungsseiten der VOZ findet sich die Chronik all der Volkskämpfe für die Demokratie, für die Revolution, für den Sozialismus. Auf diesen Seiten wird berichtet vom wechselvollen Schicksal des Volkes: von seinen Triumphen, von seinen Errungenschaften, von seiner Sehnsucht, auch von den Rückschlägen und Niederlagen.

 Die erste Nummer der VOZ, die seinerzeit «VOZ de la Democracia» (Die Stimme der Demokratie) hiess, erschien am 20. Juli 1957, zwei Monate nach dem Sturz der Militärdiktatur von Rojas Pinilla. Und doch war ihr damaliges Erscheinen gleichzeitig eine organische Fortsetzung verschiedener Publikationen der PCC, die seit der Parteigründung bestanden hatten. Die Partei hat stets die Notwendigkeit sehr hoch bewertet, mittels eines Kommunikationsmediums von der Verwirklichung des Sozialismus, von der revolutionären Ideologie, vom Kampf der Massen zu berichten und die neuen Ideen zu verbreiten. Die kolumbianischen Kommunisten haben immer die leninistische Lektion aufgenommen, dass die Revolutionäre unbedingt ein regelmässig erscheinendes Organ als Organisator, Agitator, Propagandist und Aufklärer der Werktätigen brauchen.

 Die enge und unerschütterliche Verbundenheit der VOZ mit dem kolumbianischen Volk und seiner gerechten Sache hat sie natürlich auch zur Zielscheibe des schmutzigen Krieges und des staatlichen Terrorismus prädestiniert und zu einem seiner prominenten Opfer werden lassen. Im November 1963, zu Zeiten der «nationalfrontistischen» Regierung des Konservativen Guillermo León Valencia, wurde der Wochenzeitung «VOZ de la Democracia» die Publikationslizenz entzogen. Das war die Antwort der Oligarchie auf die öffentliche Anklage der Zeitung gegen die militaristische Agression in Marquetalia und gegen die Umsetzung des «Lasso-Planes», der unter Federführung der USA geschaffen worden war und zum Ziele hatte, in den ländlichen Regionen den kommunistischen Einfluss zurückzudrängen und zu unterdrücken. Als Antwort auf diese Aggression wurden damals auch die revolutionären Streitkräfte Kolumbiens ins Leben gerufen, die FARC­EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia). Doch als unmittelbare Massnahme wurde zu jener Zeit die «VOZ Proletaria» in Umlauf gebracht, deren Lizenz noch vor der drohenden Schliessung ihrer Vorläuferin im Oktober 1963 erhalten werden konnte.

 Während der Regierung der «Nationalfrontisten» von Carlos Lleras Restrepo (1966­70) bzw. von Misael Pastrana Borrero (1970­74), wird die «VOZ Proletaria» dann ein Opfer der Pressezensur. Ganze Heerscharen regierungsamtlicher Zensoren lesen das Original der Zeitung und verfügen, was nun veröffentlicht werden darf und was nicht. Die unruhige und angespannte politische Situation zu Zeiten der Regierung von Julio César Turbay Ayala (1978­82) fordert der «VOZ Proletaria» einiges ab. Immer wieder prangert unsere Wochenzeitung die Folterungen und gravierenden Menschenrechtsverletzungen an, die unter dem damals eingeführten sogenannten «Sicherheitsstatut» begangen werden. Die Büros der VOZ erleiden zahlreiche Terroranschläge, die direkt vom Charry Solano-Bataillon des Armee-Geheimdienstes verübt werden.

 Ab 1983 nennt sich die «VOZ Proletaria» dann einfach nur noch «VOZ». In diesem Sinne beginnt sie als Verbreiterin der Wahrheit des Volkes bekannt zu werden und nimmt damit ihren Platz als Stimme aller Werktätigen ein, ohne ihr Klassenprofil zu verlieren. VOZ hebt in ihrer Agitation die Notwendigkeit einer demokratischen Öffnung hervor, um die Ursachen zu beseitigen, die zum bewaffneten Volksaufstand geführt haben. In der Konsequenz dringt VOZ im Sinne der Politik der PCC auf die Einheit der Linken und aller demokratischen Sektoren. Sie ruft auf zur Geschlossenheit der Guerilla-Bewegung einerseits und zur Einheit der Guerilla-Bewegung mit der Volksbewegung andererseits.

 Auf der Bühne der nationalen Politik werden die gedruckten Seiten der VOZ von der Rechten und vom Militarismus sehr wohl verstanden. Schon immer ist die Wochenzeitung  von diesen Kreisen mit blindwütigem Hass verfolgt worden. Zu allen Zeiten war es das erklärte Ziel der Reaktion, diese Stimme endlich zum Schweigen zu bringen. Manuel Cepeda Vargas, damaliger Direktor der Zeitung und Parteiführer der Kommunisten, wurde 1994 im Zuge der Realisierung des Planes «Golpe de Gracia» (Putsch der Gnade) ermordet. Autoren, Sprecher und Lektoren wurden und werden eingekerkert, bedroht und unterdrückt ungeachtet der Tatsache, dass VOZ heute eine legale Zeitung ist. In den ländlichen Regionen wird versucht, ihre Verbreitung zu verhindern. Ihre Einrichtungen wurden dem Erdboden gleichgemacht und sind permanente Zielscheibe von Terroranschlägen wie z.B. desjenigen vom 22. Dezember 1996. Der Direktor der Zeitung und stellvertretende Generalsekretär der PCC, Carlos Lozano Guillen, wie auch die anderen Redaktionsmitglieder werden mit dem Tode bedroht. Solcherart sind die Methoden, um mit der VOZ auch die Wahrheit des Volkes zum Schweigen zu bringen. Aber dieses Ziel ist glücklicherweise nicht erreicht worden.

 Heute hat VOZ eine durchschnittliche Auflage von 30Œ000 Exemplaren, die sowohl im Ausland als auch auf dem gesamten Territorium Kolumbiens verbreitet werden. VOZ wird finanziert durch die Unterstützung der Volksbewegung, aber auch durch solche Aktivitäten wie das alljährliche National-Festival. Diese Finanzierungsquellen genügen jedoch bei weitem nicht, weshalb VOZ zum zweiwöchigen Erscheinen übergehen musste und in ihrer Publikation nicht nur durch den schmutzigen Krieg gefährdet ist, sondern auch durch das Ausbleiben finanzieller Mittel. Die Stimme des Volkes braucht die Unterstützung aller demokratischen und solidarischen Sektoren, um weiterbestehen zu können. Ein Verschwinden der VOZ würde bedeuten, dass Kolumbien sein einziges regelmässig erscheinendes alternatives Medium verlieren würde. Daher erbitten wir Ihre Unterstützung, Solidarität und Kooperation, damit VOZ ihr revolutionäres Wirken fortsetzen und ihre Aufgabe als Stimme des Volkes erfüllen kann.

 Unterstützung und Beiträge politischer und finanzieller Art können an folgende Adressen übermittelt werden:
 

 Direktion:   Carlos A. Lozano Guillén
       VOZ la verdad del pueblo
      Carrera 13 A # 38­32
      Apartados Aéreos 8886 y 19857
      Santa Fé de Bogotá ­ Colombia

      Tel: 00­57­1­232 14 61 / 232 82 20 
       Fax: 00­57­1­232 82 29

 Bankverbindung:  
                                 Carlos A. Lozano Guillén
      CITIBANK
      Konto­No. 0872716017
      Santa Fé de Bogotá ­ Colombia



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