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Guerilla kämpft für das Volk

Der gedemütigte Präsident, TA vom 7. 6. 

16.06.1999 Tages Anzeiger


Es ist seltsam, wie der TA-Journalist Christoph Kuhn die Mörder des kolumbianischen Volkes zu Opfern hochstilisiert. Nicht Präsident Pastrana, sondern vielmehr das kolumbianische Volk wird seit Jahrzehnten gedemütigt. Die kolumbianische Geschichte, mit den Tausenden von Toten, umgebracht von den Militärs und ihren paramilitärischen Gruppen, hat bewiesen, wer die wirklichen Täter sind. Als Folge der Friedensgespräche von 1984 unter Präsident Betancur entstand die Unión Patriotica (UP), die von Exguerilleros der Farc-EP gegründet wurde. Bis zum heutigen Tage wurden rund 4000 Genossen/-innen dieser Bewegung umgebracht von den Militärs und ihren Todesschwadronen. 

Ich hatte Ende April die Möglichkeit, mit dem Kommandanten der Farc-EP, Manuel Marulanda, ein Gespräch in Caguán zu führen. Manuel Marulanda versicherte, dass nach diesen Erfahrungen die Farc-EP nicht bereit ist, die Waffen abzugeben, solange eine legal-politische Betätigung nicht möglich ist. Vielmehr steht nach Manuel Marulanda die Säuberung der von faschistischen Kräften durchsetzten kolumbianischen Armee und der Austausch der Kriegsgefangenen auf der Tagesordnung der Farc-EP. 

Einen Tag vor Beginn der Friedensverhandlungen am 8. Januar wurden während vier Tagen mehr als 200 Unschuldige von Militärs und Paramilitärs massakriert. Darauf sistierte die Farc-EP die Gespräche. Erst Ende April fanden in San Vicente de Caguán die ersten Friedensgespräche statt. Am Donnerstag, 6. Mai 1999, einigte man sich auf eine Friedensagenda. Ein Zwölfpunkteplan wurde beschlossen. Dieser sieht unter anderem Gespräche mit der Farc-EP über soziale und wirtschaftliche Reformen, eine Umstrukturierung der Armee, Schutz der Menschenrechte, Bekämpfung der rechtsextremen Selbstverteidigungskomitees, eine Land- und Justizreform und die Bekämpfung des Drogenanbaus vor. 

Unterdessen rüstet die kolumbianische Armee mit der grosszügigen Mithilfe der USA massiv auf. Die USA sind sich der Stärke der Farc wohl bewusst. Nicht umsonst äusserte das State Department im vergangenen Sommer bereits die Befürchtung, dass "in fünf Jahren" die Guerilla Kolumbien regieren könnte. Die USA kündigten an, dass sie die Hilfe an die kolumbianische Armee und Polizei in diesem Jahr auf 240 Mio. US-Dollar erhöhen werden. Unter dem Deckmantel der Drogenbekämpfung haben die USA Black-Hawks-Helikopter an Kolumbien geliefert. Diese sind mit Wärmedetektoren ausgerüstet und können Personen auf 5000 Fuss Entfernung lokalisieren. 

Dass die kolumbianische Armee überhaupt zu Friedensgesprächen bereit ist, ist der militärischen Stärke der Farc-EP zu verdanken. Militärisch hat sie in letzter Zeit der Armee schwere Niederlagen beigebracht. 

Die Farc-EP kämpft für die Interessen des kolumbianischen Volkes, während die Regierung und die USA die Interessen der multinationalen Konzerne und des weltweiten Kapitals verteidigen. Es wäre endlich an der Zeit, dass Präsident Pastrana anfängt, die Schlächterhorden in Kolumbien zu entwaffnen. Es ist eine Mär von TA-Journalist Christoph Kuhn, Präsident Pastrana würde der Guerilla unablässig grosszügige Angebote zukommen lassen, vielmehr hat sich die Guerilla in der Vergangenheit grosszügig verhalten. Dafür wurden sie und viele Landarbeiter/-innen von der kolumbianischen Armee und ihren Todesschwadronen massakriert. 

RICHARD FRICK, BONSTETTEN (Schweiz) 
 
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