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| (980601) Mit freundlicher Genehmigung von ANNCOL (ann.col@swipnet.se)
- In dieser Strategie spielt auch die DEA (Drug Enforcement Agency) eine große Rolle, die dafür zuständig ist, eine bestimmte Drogenpolitik durchzusetzen. Ein Teil ihrer Aufgaben besteht darin, unter dem Vorwand der Drogenbekämpfung Geheimdiensttätigkeiten zu verrichten. Und wir sagen „Vorwand“, weil wir nichts davon wissen, daß in den USA irgendein Capo der dortigen Drogenkartelle verhaftet oder verklagt worden ist. Oder daß diejenigen Nordamerikaner, die die großen Drogenlieferungen ins Land bringen, verfolgt würden. Und noch viel weniger ist uns bekannt, daß in den USA größere Operationen unternommen werden, um den Drogenkonsum im eigenen Land zu unterbinden - dem größten weltweit. Stattdessen werden unsere Länder gezwungen, Herbizide einzusetzen, die in weiten Teilen des Landes die Flora und Fauna vernichten. - Der Drogenhandel verschwindet als Delikt, wenn US-Amerikaner selbst
das Geschäft kontrollieren. Ein Beispiel: 1980 kam viel Marihuana
aus Kolumbien in die USA, was große Aufregung nach sich zog. Heute
exportiert Kolumbien kaum noch Marihuana und stattdessen hat es in den
USA eine Monopolisierung des Anbaus und der Verarbeitung von Marihuana
gegeben, das dort in bester Qualität produziert wird. Seitdem werden
in den USA Marihuana-Bier, Marihuana-Zigaretten, sowie Süßigkeiten,
Textilien und Lebensmittel aus Marihuana hergestellt.
- Im sozialen ist es das gleiche. Die Gewerkschafts-und Volksbewegung
wird verfolgt, die Menschenrechte mißachtet. Schon unter dem Konservativen
Betancourt wurden paramilitärische Gruppen aufgebaut, unter den Liberalen
Barco, Gaviria und Samper wurden diesen Gruppen erweitert. Samper hat sie
sogar in Form der „Sicherheitskooperativen CONVIVIR“ legalisiert, d.h.
die Paramilitärs sind heute eine legale Organisation, die Waffen kaufen
dürfen und in den Machtinstitutionen des Staates vertreten sind. Diese
Entwicklung wurde von Serpa nicht kritisiert, als er noch Innenminister
war und von sozialen und Menschenrechtsorganisationen die Auflösung
der CONVIVIR gefordert wurde.
- Aber unter dem Druck der Öffentlichkeit versprachen sowohl Pastrana
als auch Serpa einen sofortigen Friedensplan. Ist das eine Antwort auf
die FARC?
- Aber von Seiten der Regierung gibt es keinen ernsthaften Vorschlag.
Es wird Wahlkampf mit der Frage gemacht. Der Bevölkerung verspricht
man eine Anstellung, Einkommen, Bildung, Gesundheit, Frieden. Aber sobal
die Regierung gebildet ist, passiert das Gegenteil. Dann gibt es Armut,
Beschäftigungslosigkeit, Niedriglöhne, Abbau von Bildung und
Gesundheit und Repression gegen jede Protestbewegung. Samper ist das beste
Beispiel für einen derartigen Betrug.
- Sie hat die ganze Zeit eine bevölkerungsfeindliche Politik mitgetragen,
aber auf einmal bekam sie Lust auf mehr. Nachdem sie im Ausland erzählt
hatte, daß in Kolumbien alles wunderbar sei und bloß ein paar
terroristische Gruppen existierten, sagt sie jetzt, daß man mit den
FARC verhandeln müssen, um zu Frieden zu kommen. Und klar, angesichts
des Vakuums, das der schmutzige Krieg erzeugt hat und zu dem sie beigetragen
hat, nimmt die Bevölkerung jede Option wahr. Aber es gibt keinen einzigen
konkreten Vorschlag von Noemí, der die Wirtschafts-, Sozial- oder
Friedenspolitik betrifft. D.h. sie hat so viele Stimmen bekommen, weil
sie den Wunsch der KolumbianerInnen nach Frieden ausgenutzt hat.
- Als 1970 der General Rojas Pinilla die Unzufriedenheit in der Bevölkerung auszudrücken verstand, gewann er die Wahlen. Aber die vom Liberalen Lleras Restrepo angeführte Oligarchie manipulierte in einer einzigen Nacht die Wahlergebnisse und so gewann schließlich der offizielle Kandidat Misael Pastrana. - Dann ereignete sich die Sache mit Jaime Pardo Leal von der UP. Nach nur zwei Monaten Wahlkampf gewann Pardo den größten linken Stimmenanteil in der Geschichte Kolumbiens. Er wurde sofort umgebracht. Danach kam Bernardo Jaramillo, der wenig später erschossen wurde. 3500 FührerInnen der UP sind inzwischen ermordet worden, SenatorInnen, Abgeordnete, KommunalpolitikerInnen, BürgermeisterInnen und KandidatInnen. - Deswegen enthalten sich die meisten KolumbianerInnen bei den Wahlen.
Und deswegen haben wir als FARC dazu aufgerufen diese Art von Wahlen ohne
Bevölkerung abzulehnen, ein klares NEIN gegen das korrupte und diktatorische
System zu äußern. Mit der Abstention kann man eine Ablehnung
der korrupten führenden Klasse ausdrücken.
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