KATHOLISCHE ALLEINERZIEHERINNEN


Im Namen des Vaters . . .

Der Weihnachtsnummer 1998 der Alleinerzieherzeitschrift „WEG" entnehmen wir folgendes:

1) Die katholischen ledigen Frauen wollen in ihrem Recht, den Namen des Vaters des Kindes nicht zu nennen, nicht gestört werden. Eine derartige Störung wird in der Verweigerung des erhöhten Karenzgeldes gegenüber Frauen gesehen, die den Vater nicht nennen wollen. Auszüge aus dem Beschwerdebrief an Klubobmann Khol: "Das Argument, daß keine vaterlose Gesellschaft erwünscht sei, greift nicht......der Großteil der Kinder spürt sehr wenig von ihrem Vater, auch wenn dieser in der gemeinsamen Wohnung lebt.....Einer der Gründe, weshalb Frauen den Namen des Kindesvaters nicht angeben, ist der, daß sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen, weil sie sich so tief von ihm verletzt fühlen. Anderen Frauen wiederum ist es sehr wichtig, daß ihr Kind eine gute Beziehung zum Vater aufbauen kann und ein ständiger Kontakt mit ihm möglich ist. Aus Angst, dies durch zusätzliche finanzielle Forderungen zu gefährden, verzichten manche lieber freiwilllig auf ihren Anspruch auf Karenzgeldzuschuß. Es gibt auch immer wieder Frauen, die Rücksicht auf die schlechte finanzielle Situation des Vaters nehmen und ihn aus diesem Grunde schonen. Der häufigste Grund ist jedoch der, daß der Kindesvater verheiratet ist...gerade Sie...Männer in einflußreichen Positionen...(müßten das wissen)"


Geld: sündhafte Versuchung

2) Die katholischen Ehefrauen wollen in ihrem faktisch bestehenden Recht nicht behindert werden, jederzeit die alleinige Obsorge für die gemeinsamen ehelichen Kinder und eine reibungslose Scheidung zu erwirken, ohne daß ihnen der Mann mit seinem Wunsch nach Aufrechterhaltung seines Rechtsstatus als Vater dabei Schwierigkeiten machen könnte. Das entnehmen wir folgender Resolution: "Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende begrüßt die Regelung, daß ein Antrag auf gemeinsame Obsorge erst nach erfolgter Scheidung eingebracht werden kann, da damit das gemeinsame Sorgerecht nicht als Druckmittel für eine beabsichtigte Scheidung eingesetzt werden kann."

Unsere Aktion kann diesen Standpunkten nur den "Vorschlag an die ÖVP" über eine neue familienpolitische Diskussionsmethode" (siehe Artikel rechts) hinzufügen. Man frage einfach, welche Auswirkungen die jeweiligen Wünsche einzelner Interessensgruppen auf das gesellschaftliche Ganze haben. Intelligente Minister könnten zu Punkt 1) eine sehr produktive Moderatorenrolle spielen, mit dem Ziel, Regelungen zu finden, die niemanden unter die Räder kommen lassen. Fachliche Beratung würde den Alleinerziehern sagen, daß man dem Kind sehrwohl gleichzeitig einen Vater gönnen kann, ohne ihn auszubeuten. Das Wohl eines Kindes ist wichtiger als ein paar Monate Karenzgeldanspruch! Als ganz wichtigen Diskussionspunkt sehen wir den Fragenkreis "wer ist echter Alleinerzieher". Wir sind sehr daran interessiert, daß echte (für uns unfreiwillige) Alleinerzieher die gebührende Unterstützung bekommen. Die Gießkanne für das freiwillige Alleinerzieherwesen, die wir alle füllen, aber hinterfragt, überdacht und überprüft wird. Oder: was es mit den massiven Widerständen auf sich hat, wenn Studien belegen, daß es einem Großteil der Alleinerziehenden finanziell ohnedies gut geht?

 

Vorschlag an die ÖVP

Was gibt es noch zu verlieren? Wie wäre es mit der Flucht nach vorne, z.B. einer ehrlichen Diskussion in der Familienpolitik - beim Scheidungsrecht etwa? Schlimmer in die Pfanne gehauen können Sie ohnehin nicht mehr werden, wenn man z.B. die Berichte in den Zeitgeistmagazinen "Format" und "Profil" zum Scheidungsrecht ansieht. So "Format 8/98" im Zusammenhang mit der nur mehr von der ÖVP angezweifelten Unterhaltspflicht des Mannes für die Frau, die ihn verläßt, ohne daß er etwas Böses getan hätte:

"Die Front ist klar: auf der einen Seite die wertkonservative ÖVP, ihr gegenüber die modernen, aufgeschlossenen Sozialdemokraten."

Es wäre so leicht, sich gegen solche Anfeindungen und ideologische Schlammschlachten zu wehren!

Sie brauchen nur eine systematische Diskussion zu fordern.

Die können Sie sogar erzwingen!

Wer könnte etwas gegen folgende Grundregel einer neuen familienpolitischen Diskussion einwenden?

Fordern Sie bei jeder Diskussion über Änderungen bestehender Spielregeln die Beantwortung aller nachfolgender Fragen:

1) Welche Auswirkung hat die Regel auf die Kinder,

2) Welche Auswirkung hat die Regel auf die Frau,

3) Welche Auswirkung hat die Regel auf den Mann?

Dies immer unter Abtestung typischer Fälle (z.B. normalverdienender, ganztags arbeitender Vater kleiner Kinder, den die Frau verläßt, weil sie wieder alleine oder mit einem anderen Mann sein will). *]

*]    Vor Übergang zu dieser neuen familienpolitischen Diskussionsmethode ist es unerläßlich, eine verständliche Zusammenfassung der geltenden Regeln zu dokumentieren, insbesondere für den Standardfall. Welches linke Zeitgeistmedium könnte die ÖVP noch verhöhnen, wenn die ÖVP nur unentwegt öffentlich diese Frage stellte (welche Auswirkung hat...z.B. ein verschuldensunabhängiger Unterhalt) auf den arbeitenden Mann - etwa sein Interesse, überhaupt zu heiraten und Kinder zu haben....?

Wie würden die "modernen aufgeschlossenen Sozialdemokraten" dastehen, wenn sie sich von der Ministerin Prammer verbieten ließen, diese Frage zu stellen, wie es dem arbeitenden Mann mit einer von feministischer Seite gewünschten Gesetzesänderung geht?  Die geistige und finanzielle Kraft haben Sie noch zu solchen Neuerungen! Wozu sonst halten Sie sich das Team des Herrn Schattovits? Frau Fekters Vorstöße (z.B. die Benennung der Besuchsrechtssabotage als Problem) sind zwar ehrenwert, doch fehlt ihnen die Systematik.

15 Prozentpunkte sind die Sozialisten laut Umfragen jetzt vorne.

Liebe ÖVP, es kann nur besser werden! Oder?


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