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zerbrochene Familien / zerrissene Kinder
Wege zur Lösung
Unter dem Titel "Zerbrochene Familien zerrissene Kinder Wege zur Lösung" veranstaltete die Aktion Recht des Kindes auf BEIDE Eltern Landesgruppe OÖ. am 6. Juni 1997 an der Universität Linz eine Diskussionsveranstaltung. Zentraler Höhepunkt war ein packender Vortrag von Prof. Dr. Uwe Jörg Jopt, Autor des "Kultbuches" "Im Namen des Kindes", in welchem Jopt ein leidenschaftliches Plädoyer für das wahre Kindeswohl hält und geradezu zu einem Kreuzzug gegen Justiz und Gutachter aufruft. Der zweite interessante Höhepunkt der Veranstaltung war eine Diskussion zwischen Scheidungskindern der vorigen und Scheidungseltern der jetzigen Generation. Um Jopt näher zu bringen, darf folgende Passage aus seinem Buch zitiert werden:
"Denn daß unser Säugling auch nach der Scheidung weiterhin von seiner Mutter betreut und versorgt werden sollte, so wie es ihr ausdrücklicher Wunsch war, das stand für mich ebenso außer Frage, wie die damit damals noch zwingend verbundene Übertragung des alleinigen Sorgerechtes auf sie. Was hätte mich da an einem, diese Absichten lediglich besiegelten Richterspruch stören sollen?
Doch unglücklicherweise kam alles ganz anders. Schon sehr bald mußte ich schmerzhaft erleben, daß ich meinen Sohn nicht nur rechtlich, sondern damit ungeahnterweise zugleich auch physisch und emotional abgetreten hatte: Denn statt der erwarteten gemeinsamen Elternschaft trotz Scheidung geriet ich zunehmend in die Ecke eines eher störenden und im Grunde überflüssigen Vaters, der am besten überhaupt keinen Kontakt mit seinem Kind mehr haben und dessen einzige "Verantwortlichkeit" in der monatlichen Überweisung von Unterhaltsleistungen bestehen sollte.
Das wollte ich nicht einfach so hinnehmen. Und wenn mich mein so junger Sohn sicherlich auch noch nicht liebte, mich auch nicht vermißte, ich wollte mein erstes Kind in meinem Leben lieben dürfen, es in seiner Entwicklung begleiten und erleben lassen, daß es in seinem Leben zwei besondere und nicht austauschbare Menschen gibt, mit denen es in einem einzigartigen Netzwerk von Lieben und Geliebtwerden sicher und lebenslang verwoben ist."
Dieser ganz kurze Ausflug in die private Lebensgeschichte von Jopt macht das aus, was auch wir im Rahmen unseres Vereines immer wieder spüren.
Ähnliche Schicksale
schaffen Vertrauensbasis
Das gemeinsame ähnliche Schicksal schafft eine Vertrauensbasis, in der man sich gegenseitig helfen kann, eine Vertrauensbasis, die für Aussprache und Ratschläge unumgänglich ist. Der Vorwurf der unbewältigten Eigenproblematik ist so alt wie das Scheidungsproblem an sich und wird mit dem Verlauf der Zeit um nichts richtiger.
Jopt referierte etwa eine Stunde lang über die Dynamik des Scheidungsgeschehens und führte den ca. 70 Teilnehmern an dieser Veranstaltung eindrücklich das familiendynamische Geschehen vor Augen und auch, warum es zu großen Problemen im Rahmen des Scheidungsgeschehens kommt.
Jopt beschränkte sich dabei allerdings nicht nur auf das wörtliche Referieren, sondern schilderte in einem freien, packenden Vortrag auch mit Darstellungen durch Teilnehmer an der Diskussionsveranstaltung ("Familienskulpturen"), die das familiendynamische Geschehen geradezu aufrührend darstellten. Seine These, daß die derzeit tätigen Gutachter (wobei er dies ausdrücklich auf die BRD, auf Österreich und auf die Schweiz bezog) mehr oder weniger nur delegierte Vollzugsorgane der Gerichte wären, denen die Verantwortung übertragen wird, wobei der Höhepunkt der Aussagen war, daß ihm kein Gutachten bekannt sei, daß jemals wirklich etwas Positives für das Kindeswohl bewirkt hätte. Der Vortrag gipfelte darin, daß auf die Erstattung von Gutachten generell verzichtet werden sollte. Nicht zuletzt bestätigt wurde Jopt auch in der nachfolgenden Podiums- und Publikumsdiskussion. Ein 20-jähriger junger Mann (Sven Bittermann, einer der Mitinitiatoren des Kindervolksbegehrens) und eine Frau, schilderten eindrücklich ihre Erlebnisse aus der Trennung der Eltern bzw. aus der Suche nach dem Vater. Die ergreifende Schilderung durch die Frau, die nach 30 Jahren ihren Vater wieder gefunden hat, die feststellen mußte, daß der Vater künstlich unter Aufrechterhaltung vieler Halbwahrheiten und Unrichtigkeiten von ihr ferngehalten worden war, war packend und ergreifend. Kaum ein Auge im Saal konnte trocken bleiben, als die Betroffene schilderte, daß wenige Jahre, nachdem sie sich gefunden hatten, ihr Vater viel zu früh verstarb. Die Trauer um viele verlorene Jahre brach plötzlich durch, jedoch auch die Dankbarkeit dafür, daß es ihr noch vergönnt war vor dem Tod den Vater kennenzulernen und ihn auch als Vater mit seinen Vorzügen und Schwächen zu akzeptieren.
Interessenlage
des Obsorgeberechtigten
im Vordergrund
Es wäre ein Wunsch des Veranstalters gewesen, diese Wortmeldung alle Familienrichter hören zu lassen, damit sie endlich verstehen, was sie mit ihren Entscheidungen tatsächlich anrichten können, wenn sie viel zu oft den angeblichen Interessen des Kindes, tatsächlich ausschließlich den Interessen von Obsorgeberechtigten nachgeben und den Nichtobsorgeberechtigten vom Kind fernhalten.
Sehr aufschlußreich für alle Beteiligten war auch die Wortmeldung einer, seit Jahren getrennt lebenden, Mutter, die, unter vielen Mühen, ihren drei halbwüchsigen Kindern den Vater erhält und trotz aller persönlichen Probleme mit ihm versucht, das Minimum an notwendiger Kommunikation aufrecht zu erhalten. Bemerkenswert war diese Wortmeldung auch insbesondere, weil sie quasi von der auch bei der Diskussionsveranstaltung anwesenden Tochter "kontrolliert" und auch etwas korrigiert wurde.
Letztlich hat aber auch diese Mutter schon in der Vorbesprechung zu Mittag, vor der Veranstaltung deutlich zu erkennen gegeben, daß all die Probleme, die mit diesem Aufrechterhalten des Kontaktes mit dem Ehemann verbunden sind, weitaus aufgewogen werden durch die sehr positiven Reaktionen der Kinder auf dieses Bemühen der Eltern.
Die letzte Wortmeldung vom Podium kam von Rechtsanwalt Dr. Günter Tews, der ohne in seine persönliche Situation ins Detail zu gehen, darauf verwies, wieviel persönliches Leid mit dieser Trennungssituation für Elternteil und Kinder verbunden ist.
Ohne
psychologische und
familiendynamische
Erkenntnisse
Tews wies ferner darauf hin, daß Anwälte ohne jede psychologische und familiendynamische (Er-)Kenntnisse und Ausbildung quasi auf die Leute losgelassen werden. Aus seiner Sicht zeigt sich die pure juristische Scheidung als höchst ungenügend und ist sie oft genug nur dazu angetan, die Leute juristisch zu scheiden, jedoch ein seelisches Trümmerfeld zu hinterlassen.
An diese Wortmeldungen schloß sich eine etwa 1-stündige Publikumsdiskussion an, die sehr lebhaft verlief. Nach 3 1/2 Stunden wurde die Veranstaltung geschlossen. Für alle in unserem Verein Mittätigen war sie sicherlich wieder eine besondere Motivation, auf diesem von uns gewählten Weg weiter zu machen und nicht das Gesetz als bloße rechtliche Hülle alleine zu akzeptieren, sondern auch in Zukunft darauf zu dringen, daß nicht wieder und wieder die Menschen zu kurz kommen.
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Übersicht Justizwaisen September 1997