|
Kein Plädoyer
für FamilienVon Jens Dichtl
Heiraten und Kinderkriegen ist - ob berufstätig oder nicht - eine gut sprudelnde Einkommensquelle, völlig abgekoppelt von den Unwägbarkeiten des globalen Wirtschaftslebens. Denn längstens bei der Rekapitulation ihrer Rechte wird eine "moderne" Frau erkennen, welch lukrative Alternative eine Scheidung heutzutage ist. Vorausgesetzt der "Ex" wohnt nicht in einem Autobushüttl, und er hat sich nicht erfolgreich der "Reproduktion" (feministischer Lieblingsterminus) verweigert bzw. kann gezielt nachweisen (beispielsweise durch Sterilisation), für die Vaterschaft nicht in Frage zu kommen.
Wie ich so aus meinem Bekanntenkreis höre, sind im Gerichtsalltag Alimentationsverpflichtungen von S 8.000,- pro Kind keine Seltenheit, können sich aber bis zu S 14.000 bewegen. Das unpfändbare, gesetzliche Existenzminnimum gilt für alimentationspflichtige Väter sowieso nicht. Wenn also Frauen im Rosenkrieg die obligate Trophäe alleinige "Obsorge" erstritten haben (natürlich zum Kindeswohl), beginnt ein ganz schönes Zubrot (natürlich zum Kindeswohl) zu fließen, vom Kindesvater erwirtschaftet, staatlich auferlegt, garantiert und gesichert, von der Kindesmutter nach persönlichem Gutdünken verwendet (natürlich zum Kindeswohl). Das alleinige "Obsorgerecht "(nicht "Obsorgepflicht"!) wird Frauen höchst selten verweigert, es sei denn, sie-gehen-am-Strich oder sind drogenabhängig (nachweislich!)*). Nur in Ausnahmefällen, die es auch gibt, werden Mütter - wie sonst Väter - vom Leben ihrer Kinder ausgeschlossen.
Der Verfasser bittet alle Frauen um Entschuldigung, die dieses Handlungsmuster noch nicht internalisiert haben und es im Sinne eines Miteinander auch nicht richtig finden.
Beinharter
Verteilungskampf
um soziale Macht und
öffentliches Geld
Im Zuge von Verteilungskämpfen zwischen Alt und Jung (Pensionen), zwischen Frauen und Männern (um gesellschaftliche Positionen, vor allem um institutionelle Macht) sind klare Worte wohl angebracht. Und Feministinnen sind bei Gott nicht die legitimen oder selbstlosen Lobbyisten der Kinder. Auch da bittet der Autor alle liebevollen Mütter, die ihren Kindern den Vater erhalten wollen und ihren Kindern keine angeheizten Konflikte zumuten und ihren Kinder den Schaden eines Dekonditionierungsprozesses ersparen (für den die Kinder ein Leben lang zahlen), um Entschuldigung. Aber eines meine ich: alles was heute über Kindeswohl, sexuellen Kindesmißbrauch, über Männer und Väter so eilfertig öffentlich kommuniziert wird, sind Medienprodukte einer hybriden Vernetzung von Feministinnen (POWER-Frauen) und Journalistinnen (POWER-Frauen).
Erbarmungslose
Megabiester
Man ist als Mann völlig ungestreßt, wenn man AutorInnen zu diesem Komplex das Wort überläßt, beispielsweise der FOCUS-Rezensentin in einer jüngsten Buchbesprechung ("FOCUS" 19/1997), wo das deutsche Magazin titelt: "Gesellschaft: Abgezockte Väter" Untertitel: "Männer nach der Scheidung - das Gesetz macht sie zu wehrlosen Opfern ihrer Frauen". Und dann weiter: "Scheiden tut weh, vor allem den Kindern. Frauen aber verklären die juristische Trennung oft zum großen Befreiungsschlag. Sie haben den Mann besiegt, den Feind schlechthin. Tatsächlich aber bleiben auf dem Kriegsschauplatz nicht selten Männer und die gemeinsamen Kinder als einzige Opfer zurück". Christine Brinck meint unisono mit Buchautorin Karin Jäckel ("Der gebrauchte Mann"/dtv 1997, nach 6 Monaten vergriffen, seit Mitte Juli in einer 2. Aufl., in unserer vorangegangenen Ausgabe vorgestellt) ungerührt: nicht wenige Frauen generieren zu beinharten Megabiestern, die ihre vormaligen Gatten in eiskalter Weise ausgrenzen, ausnehmen, herabwürdigen. Und genau das scheint mir auch in der veröffentlichten Kommunikation - in Österreich mit noch wenig Gegenpublizität - der Fall zu sein: die desavouierende Herabwürdigung von Vätern und Männern. Längst hat aber das brutale Ausleben von "Selbstverwirklichung" nichts mehr mit weiblicher "Befreiung" zu tun, sondern nur mehr mit extremen Machtrausch, wie nun auch weibliche deutsche Publizistinnen erschrocken meinen.
USA: Feminismus und
Kindesmißbrauch macht
sexuellen Kindesmißbrauch
So meint auch die Buchautorin Katharina Rutschky in "Erregte Aufklärung" (Kindesmißbrauch: Fakten & Fiktionen / Goldmann 1992) "...ohne daß die Themen vergangener feministischer Kampagnen ganz aus den Medien und der Diskussion verschwunden wären, hätte sich ein Abkühlungs- und Abnützungseffekt wohl nicht vermeiden lassen, wenn nicht zu Beginn der 8oer Jahre - neben den Frauen - eine neue Opfergruppe aufgetaucht wäre, die sich noch viel besser zur Zuspitzung der sexuell zentrierten Emanzipationswelle eignete: Das waren die Kinder. Mit einer Verzögerung von 1o Jahren (aus den USA importiert) entdeckt man nun auch bei uns das sexuell mißbrauchte Kind. In den USA gilt die Formel, mit der das Thema sich auch bei uns durchsetzt: Kindesmißhandlung plus Feminismus gleich sexueller Kindesmißbrauch".
Zum gesamten Buch, damit dieses nicht allzu voreilig diffamiert wird, ein Kommentar von Annemarie Stoltenberg , Norddeutscher Rundfunk: "Dagegen hat Katharina Rutschky eines der klügsten und direktesten Bücher geschrieben". Und Autorin Rutschky mutmaßt richtig: Das Ganze dient vor allem der Installation von Hilfsangeboten, der Abhaltung von Fortbildungsseminaren der einschlägigen "Sozial"-Szene.
Überhaupt darf man ja keinen Augenblick verlieren, Probleme von gehöriger gesellschaftlicher Tragweite, mediengerecht als geschlechtsorientierten Nachholbedarf zu präsentieren, um mehr "qualifiziertes" Personal, mehr Planstellen in vorhandenen Einrichtungen, kurzum: viel mehr Geld zu fordern...
In diesem einseitigen Infowust, mit dem Einschlägiges - auch auf Ö1 (siehe Sendeleiste "Von Tag zu Tag") - auf den Rezipienten eingespült wird, ist vieles extrem zu hinterfragen.
Alltagswirklichkeit
und einseitige Obsessionen
Denn die permanente feministische Überhöhung ist eigentlich schon eine Desinformation. Es stellt sich die Frage: wem kann das schon nützen? Man muß sich fragen, wie weit der Einsatz von Kindern, um gesellschaftspolitische Dynamik anzuheizen und geschlechtspezifische Vorteile abzusichern, nicht an sich schon eine gewisse Form des Kindesmißbrauchs darstellt. Denn welche Sozialisationsmöglichkeiten werden Kindern durch militante Alleinerzieherinnen real geboten? Ich frage nur? Wenn Männer in ihrem öffentlichen Ansehen zerstört werden und die manipulative Gewalt der Denunziation von Vätern und Männern schicker Jargon geworden ist.
Obwohl es schon vorkommen kann, daß man zwischendurch von "verzweifelten" Müttern erfährt, die Kinder gewaltsam entführen, Kontakte schäbig vereiteln oder von Kindern, die durch die Kindesmutter nacheinander aus dem 4.Stock auf die Straße gestürzt werden. Kinder müssen unser aller Verantwortung und Mitgefühl besitzen. Die Einstellung: Kinder im Geschlechterkrieg einzusetzen, ist asozial.
Dieser Zorn an die Adresse derer, die sich angesprochen fühlen, von denen, die betroffen sind.
*) De facto sind inzwischen 12,5% der Alleinerzieher Väter. Überraschenderweise bringen Richterinnen / Richter immer noch diesen penetranten Stehsatz, um Väter von Obsorgeambitionen abzuhalten.
![]()
Übersicht Justizwaisen September 1997