BUCHBESPRECHUNG

Täterinnen

 

Reizthema für öffentliche Erregung

Weitere Sachbuch-Autorin bezieht Gegenposition zu feministischer Kultmeinung: in allen Gewaltbereichen - einschließlich sexuellen Kindesmißbrauchs - sind Frauen gleichhäufig Täterinnen.

In unserer heutigen Polit- und Mediengesellschaft sind es ausschließlich Männer und Väter, die derartig apostrophiert und durch die Medien gezerrt werden: als "Gewalttäter in der Gesellschaft", als "Gewalttäter in der Familie". als "Mißhandler ihrer Frauen", als "Missetäter an ihren Kindern", als "Sextouristen und Pädophile", als "Alkoholiker und Vergewaltiger", als "Nazikriegsverbrecher und KZ-Chergen". Die Klischeekampfansage lautet: Väter ohnmächtig machen (sprich Männer ohnmächtig machen) heißt Gewalt abschaffen. Familienvater, Vaterliebe, Kindesliebe, Kinderglück sind als Vokabel nicht "trendig".

Dieser Demontage steht nun ein weiteres Sachbuch gegenüber "TÄTERINNEN/Offene und versteckte Aggression von Frauen". Das Knaur-Taschenbuch, erschienen im Oktober 96: "...die Tatsache beispielsweise, daß Mütter ihre Kinder ungefähr gleich häufig wie Väter körperlich wie seelisch mißhandeln hat in der Gewaltdiskussion unter Frauen bisher nur wenig(!) Beachtung gefunden, und auch der Sachverhalt, daß Gewalt gegen alte Menschen überwiegend(!) von Frauen begangen wird..." Ein Drittel des Buches belegt mit ausführlicher Literatur- und Quellenangabe das Undenkbare: nämlich: Kindesmißhandlungen durch Mütter, sexueller Kindesmißbrauch durch Mütter und Frauen. "Weibliche Pädophile" schreibt Sabine Braun (Sekundärquellen-Zitat) "treten in letzter Zeit immer mehr an die Öffentlichkeit und fordern das Recht auf Sexualität mit Mädchen. Sie verstehen sich als fortschrittlichen Teil der Linken, der Frauen- und Lesbenbewegung - so etwa eine Gruppe mit dem schmuddelig anmutenden Namen ‘Kanalratten’".

Zitat: "Sofern die Tatsache des sexuellen Mißbrauchs durch Frauen jedoch eingestanden wird und nicht von vornherein der Verleugnung anheimfällt, läßt sich des öfteren die Tendenz ausmachen, das Verhalten der Frauen zu bagatellisieren: z.B. Nele Gloer und Irmgard Schmiederskamp-Böhler, zwei der wenigen AutorInnen im deutschsprachigen Raum, die überhaupt auf das Problem weiblicher Täterschaft eingehen: ‘Es handelt sich dabei aber eher um eine Art sexualisiertes Sorgeverhalten". Und so wird eine feministische Tendenzbehauptung kultiviert, die männerfeindlich (und sexistisch) ist: nämlich: Frauen seien das friedliebende, Männer hingegen das aggressive und gewalttätige Geschlecht: Denn Frauen mißbrauchen Macht in gleicher Weise wie Männer: ebenso direkt, wenn die Gelegenheit für sie geeignet ist, und sehr viel subtiler, indirekt und in versteckten Formen, wenn sie bei offener Austragung unterliegen würden. Knapp zurückliegende Inszenierung: die mediale Gewalt der öffentlichen Denunziation (Frauenvolksbegehren).

Diese längst fällige Faktenaufarbeitung überrascht in ihrer selbsterklärenden Strukturierung: Weiße Frauen in den Kolonien, Frauen als bewaffnete KämpferInnen in revolutionären und terroristischen Gruppen, TäterInnen im 3.Reich bei Entmündigung, Zwangsverwahrung, Einweisung in KZ’s, bei Zwangssterilisation und "Euthanasie", als ÄrztInnen und Krankenschwestern im NS-Tötungsprogramm, als AufseherInnen in Vernichtungslagern sowie eben: die enorme Verfügungsmacht über Kinder und der Machtmißbrauch auf dem Terrain ohnmächtiger Kinder.

 

Feministen-Power

Einzig nicht ausgeleuchtet die Rolle von Frauen bei institutioneller Gewalt, d.h. bei Ämtern, Behörden, Heimen, Gerichten... sowie ihre Rolle in hybrider Vernetzung als "Expertinnen", "Journalistinnen" und Feministinnen. Das Ganze ist keine Kopfgeburt der rechten Gehirnhälfte eines chauvinistischen Mannes sondern von einer kundigen Autorin sachneutral "gegen den Strich" recherchiert. Claudia Heyne zeigt, daß die Emanzipation (im Gegensatz zur Fetischisierung des Feminismus) nur dann einen Schritt weiter kommen kann, wenn Frauen nicht länger als Täterinnen in-der-Maske-des-Opfers auftreten sondern für Transparenz sorgen: in weiblichen Handlungsmustern bei Aggressionen, die darauf abzielen zu beherrschen, zu besiegen, zu schädigen, zu vernichten.

Frauen müssen einmal beginnen ihre Gefühle sozial verträglich zu managen und ihren Herrschaftsanspruch über Kinder zu objektivieren und damit zu "humanisieren".

Übersicht Justizwaisen September 1997

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E-mail bitte an: Aktion Recht des Kindes auf beide Eltern